Tageszeitung "Die Presse", 8.1.2005

"Schüler sind nicht dümmer". Nachhilfe-Anbieter können die Pisa-Studie nur teilweise bestätigen. Mathematik und Englisch sind Stolpersteine. Ein redaktioneller Beitrag von Regina Pöll.

WIEN/GRAZ/SALZBURG. "Es gibt so etwas wie einen Nachhilfe-Boom in Österreich", sagt Michael Cerny, Inhaber des Lernhilfe-Instituts "team-plus!" in Wien. Zehn bis 20 Prozent mehr Nachfrage pro Jahr seien zuletzt durchaus üblich gewesen. "Die Schüler sind aber nicht dümmer als früher."
Ausschlaggebend für schlechte Leistungen seien einerseits die verschärften Bedingungen an den Bundesschulen: "Trotz Stundenkürzungen muss dort der gleiche Stoff durchgebracht werden wie noch vor wenigen Jahren." Gerade an den AHS seien heute gleiche Leistungen wie früher gefordert oder sogar bessere.
Besonderen Nachhilfebedarf ortet Cerny im Fach Mathematik. "In der Unterstufe bereiten zum Beispiel das Prozent-, Bruch- und Schluss-Rechnen Kopfzerbrechen, in der Oberstufe sind es Gleichungen oder das Potenz-Rechnen." ...
... Ein weiteres Problem spricht Michael Cerny an: "Die Schüler lernen das Lernen immer weniger." Darum sei "Lern-Coaching" an Nachhilfe-Instituten gefragt. "Die Schüler erfahren dabei, wie sie sich je nach Lerntyp mit Hilfe eines Lernplans besser organisieren können."